01. September 2015:

Grußwort September

Laudato si oder

Geht´s mich was an?

 

Da kündigt ein Politiker in mächtiger Position an, den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO² bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu reduzieren. Die Lobbyisten der Energiewirtschaft laufen Sturm und Bundesstaaten drohen mit Klagen vor Gericht.Sie sehen sich wegen der Abhängigkeit von der Energiewirtschaft existentiell bedroht, argumentieren mit Arbeitsplatzerhalt und Energieversorgungssicherheit.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Nein, der Politiker ist nicht Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, sondern der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama.

Die Länder und die Personen unterscheiden sich, die Beobachtung ist die Gleiche: wohl noch nie zuvor wurde so heftig und auch so öffentlich um Fragen des Klimaschutzes gerungen wie zurzeit. So kommt es mir jedenfalls vor. Da kommt uns die Bemerkung des Wetterfrosches Sven Plöger, der überdurchschnittlich warme Sommer sei wohl auch Folge des Klimawandels, schon fast normal vor und regt nicht mehr auf.

Geht´s mich was an? Zugegeben: es fällt mir nicht leicht, eine eigene Meinung zu vertreten. Oft vielschichtig und für den Laien schwer zu beurteilen und zu

entscheiden sind die Fragen, die mit dem Klima- und Umweltschutz zu tun haben. Also dann doch Augen zu und durch?

 

 

 

Geht´s mich also was an? Papst Franziskus, der ja für manche Überraschung gut ist, würde wohl sagen, dass sich diese Frage für einen Christen gar nicht stellt. Natürlich geht es mich was an! Selber Geschöpf Gottes kann mir die Schöpfung Gottes nicht egal, nicht gleich-gültig sein.

Am 18. Juni veröffentlichte Papst Franziskus seine dritte Enzyklika unter dem Namen "Laudato si – gelobt seist Du". Ebenso wie das bekannte Lied, das so manchen Familiengottesdienst rockte, nimmt Franziskus damit eine Gebetsformulierung des Heiligen Franz von Assisi mit Blick auf Gottes Schöpfung auf. Dort lädt er "…dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten ... Die Haltungen, welche – selbst unter den Gläubigen – die Lösungswege blockieren, reichen von der Leugnung des Problems bis zur Gleichgültigkeit, zur bequemen Resignation oder zum blinden Vertrauen auf die technischen Lösungen." (Nr. 14)

Dabei gilt immer: "Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung." "Es fehlt ... eine ökologische Umkehr... Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein, praktisch umzusetzen gehört wesentlich zu einem tugendhaften Leben; sie ist nicht etwas Fakultatives, noch ein sekundärer Aspekt der christlichen Erfahrung." (Nr. 217)

Eine starke Ermutigung, den eigenen Lebensstil zu über-denken, praktisch im Kleinen zu handeln und sich kritisch seine Meinung zu bilden.

Boris Kassebeer, Pastoralreferent

Mehr Informationen und Link zur Enzyklika unter: http://www.dbk.de/themen/enzyklika-laudato-si

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