23. August 2017:

Grußwort September

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie gehen Sie mit dem Monat September um?

Die Frage ist eher rhetorischer Art, irgendwie muss ich ja ins Thema kommen…

Manche denken wehmütig an den Sommer zurück, an einen schönen Urlaub, an Menschen, die sie kennengelernt haben, Städte, Länder, die sie besuchen konnten, Erfahrungen, die sie machten und nicht mehr missen mögen.

Warum dann Wehmut? Das war doch ein toller Sommer, sogar mit richtig heißen Tagen (so, wie ich ihn liebe). Und es war ein Geschenk, verreisen und nette Menschen, schöne Städte und stolze Länder kennenlernen zu dürfen. Und tatsächlich wollen wir die Erfahrungen nicht mehr missen.

Manche denken nach vorne, sehen einen (Neu-)Anfang. Vielleicht ist es eine neue Schule, vielleicht ein neuer Job. Manche fürchten sich davor, manche freuen sich darauf. Manche werden mit dem Studium beginnen und suchen noch eine erschwingliche Wohnung. Unsere Lehrerinnen und Lehrer bereiten sich auf neue Schüler und Schülerinnen vor, planen Unterrichte, denken an Klassenfahrten und bevorstehende Klausuren und deren Korrekturen.

Warum sollen wir einen Neu-Anfang fürchten? Die neue Schule, die neue Arbeitsstelle werden uns weiterbringen, neue Kenntnisse vermitteln; das Studium und die eigene Wohnung machen uns selbstständig, unabhängig. Und neue Schülerinnen und Schüler sind eine Bereicherung, sie bringen neue Perspektiven, neue Gesichtspunkte.

Manche werden sich fragen, ob sie das eine oder andere aus Gewohnheit tun werden oder weil sie es als ihre Pflicht ansehen. Manche werden Althergebrachtes überdenken und sich mit dem Gedanken herumschlagen, etwas zu ändern, wegzulassen, neu anzufangen.

Na klar gibt es die Pflicht! Aber auch die Kür. Und die gibt mir ungeahnte Möglichkeiten. Ich freue mich darauf.

Manche werden sich Nacht für Nacht mit immer gleichen Überlegungen herumquälen, werden sich Sorgen um den Arbeitsplatz machen, in ihr Innerstes hineinhorchen, ob sich die Krankheit wieder meldet.

Ja, so kann es sein, muss es aber nicht. Wenn wir annehmen und damit umgehen lernen.

Manche werden sich vor der Einsamkeit fürchten, vor dem Älterwerden, vor dem Verlust der Mobilität. Manche werden sich in Rituale stürzen, Grenzen ziehen, Leitpunkte definieren. Sie werden sich fragen, ob das Gedächtnis nachlässt, ob Erinnerungen verschwinden.

Gedanken, denen ich nicht ausweichen kann. Aber bevor ich jetzt in eine sentimentale bis depressive Seelendiagnose abrutsche, sage ich mir lieber: So ist es halt im Leben. Solche Phasen gehören dazu. Aber ich will mich nicht runtermachen lassen, ich halte dagegen.

Manche werden aber auch ganz einfach morgens aufwachen und dankbar sein für den neuen Tag, für den Partner, die Partnerin, für die Kinder und Enkel, darüber, dass man sich auf die Freunde verlassen kann, die ohne "wenn und aber" da sind und durchs Leben begleiten.

Und manche werden dankbar sein für den, der gesagt hat: "Ich bin der, der ist, der für dich da ist." Auch in diesem Herbst. Verlass Dich drauf.

Ich wünsche Ihnen und Euch einen schönen Herbst. Und wer den September nicht mag, soll sich auf den goldenen Oktober freuen. Der hat sogar einen Tag mehr als der September…

Kurt Esser, Diakon

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