01. November 2015:

Grußwort November 2015

"Können Sie bitte mal das Licht einschalten?"

So oder ähnlich, liebe Schwestern und Brüder, fragen Schüler gelegentlich, wenn es im Klassenraum zu dunkel ist. Um gut lesen oder schreiben zu können, wird Licht gebraucht, Abhilfe ist schnell geschaffen!

Im November ist das ständig so, wir brauchen mehr Licht: An Autos und Fahrrädern, in Büros und Wohnzimmern, überall wird Licht eingeschaltet, künstliches Licht, um leben und arbeiten zu können. Die Dunkelheit umgibt uns immer länger, es geht auf den Winter zu. Sicher drängt sich uns gerade deshalb auch die Dunkelheit und Schwere des Lebens im November stärker auf. Wir gedenken in besonderer Weise der Verstorbenen, das Absterben der Natur erinnert uns an unsere eigene Sterblichkeit. Abhilfe ist leider nicht so schnell geschaffen wie mit einem Lichtschalter bei unzureichender Raumbeleuchtung...

Es ist auch keineswegs so, dass in der Schule alles hell wäre, wenn genug Licht eingeschaltet ist. Auch hier gibt es das Scheitern, die Krankheit, den Streit, die Trennung, den Tod. Auch hier gibt es das Dunkel des Leids. Als Schulseelsorger erfahre ich natürlich oft von diesem Dunkel und ich bin dann sehr froh, wenn ich es mit Schülern, Lehrern und Eltern teilen und ein wenig mittragen darf. Nein, das Dunkle im Leben ist nicht eine Frage des Alters, das Dunkle des Lebens ist auch nicht eine Frage der Jahreszeit, man kann es immer und überall finden, auch täglich in gut beleuchteten Klassenräumen, nicht nur auf dem Friedhof oder im Zimmer Schwerkranker. Der November ist aber der äußere Anlass, wieder einmal genauer hinzusehen und unser Leben zu bedenken.

Gott sei Dank, dass wir mit unseren persönlichen Dunkelheiten nicht allein gelassen sind. Zwar ist es nicht so einfach wie beim elektrischen Licht, es auf Knopfdruck hell werden zu lassen, aber Hoffnung und Orientierung gibt es für uns Christen dennoch. Die Kirche lädt uns im November nicht nur mit Allerheiligen und Allerseelen, sondern auch. mit den volkstümlichen Heiligen Martin und Elisabeth ein, deren Beispiel zu folgen, indem wir Gottes Licht in unser Leben aufnehmen und dieses Licht an unsere Umgebung weiter geben. Wie die Heiligen einen Strahl vom Licht Jesu Christi in ihrem Leben widerspiegeln und so viele Menschen zu Gott führen, so dürfen auch wir uns in der Nachfolge Christi bemühen, Gottes Liebe und Barmherzigkeit in uns ankommen zu lassen und sie mit unseren Mitmenschen zu teilen, so dass es etwas heller in unserem Leben wird, ganz ohne Strom. Können wir das wirklich, wir als "kleine Lichter", mag vielleicht mancher denken?

Ich vertraue darauf, dass Sie und ich - inspiriert vom Evangelium und unseren eigenen Erfahrungen - genug Ideen haben, wie es ein bisschen heller werden kann. Schon ein kleiner Funke bricht die große Dunkelheit. Ich vertraue darauf, dass wir uns immer wieder neu vom Licht aller Lichter, Jesus Christus, entfachen lassen, damit sein Reich unter uns wächst und die Menschen froh werden, und das nicht nur im Klassenraum...

Einen hellen November wünscht Ihnen

Ihr
Joachim Ritzka, Pastoralreferent

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