01. Mai 2017:

Grußwort Mai

In Flandern, jenem Teil Belgiens, dem meine Mutter entstammt, war und ist er bekannt und beliebt.

Im Ruhrgebiet, in dem ich geboren bin, war das jedenfalls vor über fünfzig Jahren noch nicht überall der Fall. So habe ich ihn erst durch meine Mutter kennen gelernt. Es war sofort Liebe. Eine Liebe, so ist hier durchaus zu sagen, auf den ersten Biss. Denn die Rede ist von jenem Gemüse, das im Monat Mai hier im Rheinland tagesfrisch aus örtlichem Anbau erhältlich ist, also vom Spargel. Dieser schmeckt vielleicht nicht jedem, doch gibt es viele begeisterte Genießer dieses gesunden Gemüses. Und vielen wurde die Freude dieses Genusses vermittelt durch die Mutter.

 

Im Monat Mai können wir uns jedoch nicht nur frischen hiesigen Spargel schmecken lassen. Dieser Monat ist in besonderer Weise der Gottesmutter geweiht. Ausdruck findet diese Tradition unseres Glaubens z.B. im Lied:

 

"Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen;

o segne ihn mit holdem Sinn und uns zu deinen Füßen!

Maria, dir befehlen wir, was grünt und blüht auf Erden.

O lass es eine Himmelszier in Gottes Garten werden!"     (Nr. 837 im Gotteslob).

 

In diesem Lied ist vom Spargel keine Rede. Wie dieser ja in Musik und Kunst eher vernachlässigt wird – mit der rühmenswerten Ausnahme von Edouard Manet, dessen herrliches Bild "Spargelbündel" im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu bewundern ist.

Doch mag durch die Gaben der irdischen Mutter ein besseres Verständnis für die Gaben der himmlischen Mutter entstehen. Denn wie wir der irdischen Mutter für vieles, z.B. für die Zubereitung von Spargel, dankbar sein dürfen, so sollten wir nicht nur, aber nach gutem Brauch eben auch im Monat Mai der Mutter Gottes dankbar sein. Denn die Mutter unseres Herrn und Heilandes begleitet unser Leben mit Gaben, für deren gnadenreichen Reichtum an Lebensfreuden wir unserer himmlischen Mutter danken dürfen.

Wie mit unserer irdischen, dürfen wir auch zu unserer himmlischen Mutter sprechen, anvertrauen, was uns bewegt, was uns freut, was uns bedrückt. Und wir dürfen, wie auf die Hilfe der irdischen Mutter, vertrauen auf die hilfreiche Fürsprache der Gottesmutter, die als Nächste am himmlischen Thron, uns Gottes gnädigen Segen in unserem Leben vermittelt. Somit erinnert die lebendige Tradition der Kirche, was wir gerade im Monat Mai z.B. im Gotteslob unter Nr. 535 finden:

 

"Segne du Maria, segne mich, dein Kind, dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find.

Segne all mein Denken, segne all mein Tun, lass in deinem Segen Tag  und Nacht mich ruhn!"

 

In diesem Sinne einen gesegneten Mai und vielleicht ja auch Freude beim Genuss von Spargel!

 

Pfr. Hans-Peter Göbbeler

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