01. Februar 2017:

Grußwort Februar

Liebe Mitchristen,

wichtige und wertvolle Mitteilungen, in der Flut der Meldungen, die das Radio uns täglich liefert, sind wohl für viele Autofahrer die halbstündlichen Verkehrsmeldungen. Durch moderne Berechnungen ist es gleichzeitig möglich, bei einem Stau die Zeit zu berechnen, die man nun länger benötigt, um von

A nach B zu kommen. Diese längere Fahrzeit wird dann oft als Zeitverlust von…, nun kommt die Angabe der Minuten, bestimmt.

Diese Wortwahl beschreibt für mich gut, in welcher Zeit wir leben. Gejagt von einem Termin zum nächsten,- beruflich wie privat -, wird jeder Stillstand, jedes "Warten müssen" als Zeitverlust empfunden. Es soll möglichst viel in die Zeit, in die Lebenszeit, hineinpackt werden und alles, was dann zum Stillstand führt, ist verlorene Zeit.

Warten fällt vielen von uns schwer und das nicht nur auf der Straße im Stau, sondern auch im Wartezimmer eines Arztes oder an der Kasse im Supermarkt.

Zu Beginn dieses Monats, am Fest Darstellung des Herrn, begegnen uns zwei Menschen, die warten konnten: Simeon und Hanna.

Von Simeon wird berichtet, dass der Geist des Herrn auf ihm ruhte, in dieser Zeit des Wartens. Er wartete geduldig auf die Rettung Israels, durch den Messias, den er, so war ihm verheißen worden, sehen werde. Er vertraute den alten Schriften und den Worten Gottes und dieses Vertrauen schenkte ihm Gelassenheit. So war es ihm möglich, als dann die Zeit gekommen war, auch zu erkennen und wahrzunehmen, was anderen, die Jesus und seine Eltern auch sahen, verborgen blieb.

Außer Hanna.

Hanna, jung verwitwet, hielt sich nach dem Tod ihres Ehemannes Jahrzehnte lang im Tempel auf und verrichtete dort treu ihren Dienst.
Und sie fastete und betete viel, sie nahm sich Zeit für Gott. Diese Ruhe und vielleicht auch innere Gelassenheit ermöglichten ihr, wie auch Simeon, tiefer zu sehen als das, was sich ihr vor Augen stellte. Sie spürte die Gegenwart Gottes als Maria und Josef mit Jesus in den Tempel kamen. Sie spürte, die Antwort auf ihr Gebet und die Erfüllung ihres geduldigen Wartens.

 

Ich wünsche uns, dass wir die Zeiten des Wartens nicht nur als Zeitverlust verstehen, sondern auch schon mal als geschenkte Zeit,

- weil ich in der Schlange an der Kasse mal ein Wort mit jemandem wechseln kann, den ich zufällig treffe,

- weil ich im Auto, im Stau stehend, auch mal ein, wenn vielleicht auch nur kurzes, Gebet sprechen kann

- weil ich dankbar sein darf, dass eine Aufgabe auf mich wartet, wo doch für viele Menschen das Leben oft leer ist.

 

Ursula Rothkranz,

Gemeindereferentin

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