31. März 2017:

Grußwort April

Liebe Leserinnen und Leser,

Anfang des Monats April stehen wir in diesem Jahr noch in der österlichen Bußzeit. Das Osterfest fällt erst auf die Monatsmitte. Dennoch lassen bereits jetzt die Verkündigungstexte der Liturgie die Nähe des Osterfestes erspüren. Für das Johannesevangelium scheint diese Zeitspanne nicht unwichtig zu sein. Mehrfach leitet der Evangelist Johannes eine Begebenheit im Leben Jesu ein mit der Bemerkung: "Das Paschafest der Juden war nahe…(z. B. Joh 2, 13; 6, 4)" oder in ähnlicher sprachlicher Fassung (vgl. Joh 12, 1; Joh 13, 1).

Das Paschafest war der Höhepunkt im religiösen Jahr Israels; es war das Gedenken an die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens, um Einzug zu halten in das Land der Verheißung.

Auch für die Sendung Jesu bildet das Pascha den Höhepunkt, ja sie kommt mit dem Pascha zur Vollendung (vgl. Joh 19, 30).

In drei Zeichen bringt der Evangelist Johannes dies zum Ausdruck; er platziert diese Zeichen am Beginn, zur Mitte und zum Ende seines Evangeliums.

Gleich zu Beginn des Evangeliums spielt sich die sog. "Tempelreinigung" ab (Joh 2, 13 ff). Jesus will den Ort der Darbringung des Paschaopfers, den Tempel in Jerusalem, von Verfremdungen reinigen, um sich letztlich mit dem neuen Tempel zu identifizieren (Joh 2, 21).

Quasi in der Mitte des Evangeliums ist es die große Speisung, die in zeitlicher Nähe zum Pascha stattfindet (Joh 6, 4). Johannes schildert diese Zeichenhandlung sicherlich in deutlicher Anspielung auf das Geheimnis der Eucharistie. Gleichzeitig lenkt die folgende Katechese Jesu den Blick auf die Speisung des Volkes Israel mit dem Manna in der Wüste. In diesem Zusammenhang fällt das erste der sieben "Ich-bin-Worte" Jesu im Johannesevangelium: "Ich bin das Brot des Lebens (Joh 6, 35 b)". Hier identifiziert sich der Herr mit der Gabe des Pascha.

Und schließlich, schon im Begriff zum Vater hinüberzugehen, also das definitive Pascha zu vollziehen, setzt Jesus das Zeichen der "Liebe bis zur Vollendung" (Joh 13, 1 c), sprich das Opfer, die Hingabe; hier verkörpert er den Ritus des Pascha.

So macht Johannes deutlich, dass sich in Jesus das definitive Pascha vollzieht. Pascha heißt "Hinübergang". In Jesus bedeutet "Hinübergang" den Weg vom Tod zum Leben.

Nach Anselm Grün, dem Benediktinermönch aus Münsterschwarzach, ist Hinübergang eine ständige Dimension unseres Lebens. Mit Jesus erhält damit diese Dimension gleichzeitig eine österliche Dimension, also eine Parteinahme für das Leben. Wiederum nach Anselm Grün führt ein solcher Weg "vom Oberflächlichen in die Tiefe, vom Vordergründigen in das Hintergründige, vom Banalen in das Geheimnis." Eine solche Perspektive kann Freude wecken, wenn es heißt: "Das Pascha ist nahe".

Ich wünsche uns in der zeitlichen Nähe des Pascha und vor allem in der Feier des Pascha selbst Erfahrungen, die dem genannten Dreischritt entsprechen.

Dr. Roland Scheulen

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