28. Februar 2017:

Grußwort März

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Schlussredaktion zum 15. des Vormonates für den monatlichen Pfarrbrief ist es geschuldet, dass ich die folgenden Zeilen schon Anfang Februar schreibe, Sie aber erst zum 1. März den neuen Pfarrbrief in Händen halten werden.

Welches Thema steht an? Soll ich mich zum neuen Präsidenten der USA äußern? Oder zum neuen Vorsitzenden der SPD und seiner Kanzlerkandidatur? Wir sind, wie schon gesagt, rein schreibtechnisch erst Anfang Februar.

Wer von uns weiß schon, was in den folgenden fast vier Wochen bis zum Erscheinen des März-Pfarrbriefes geschieht? Vielleicht ist das Eine oder Andere bis dahin Schnee von gestern…

Mit Sicherheit nicht Schnee von gestern, sondern wichtige Vorbereitung auf das für uns Christen Kommende, nämlich das Osterfest, sind die 40 Tage, die mit dem 1. März beginnen, dem diesjährigen Aschermittwoch. Manche mögen diese 40 Tage "Fastenzeit" nennen, mit allem, was für viele eben zur "Fastenzeit" gehört. Sie wissen schon: fasten, verzichten, in sich gehen usw.

Ich nenne diese 40 Tage lieber "Auszeit". Und wer sich auf eine "Auszeit" einlässt, der wird in der Regel einen Anlass, oder einen Grund für eine solche "Auszeit" nennen können.

Vielleicht die manchmal (zu) späte Einsicht: so geht es nicht (mehr) weiter!

Es wird alles zu viel, ich blicke nicht mehr durch, ich verliere den roten Faden, ich vermisse die klare Linie in meinem Leben!

Wenn das Tempo zu hoch wird, muss ich verlangsamen. Wenn alles nur noch automatisierte Routine ist, muss ich etwas oder auch manches ändern!

Wenn mir hin und wieder etwas gegen den Strich geht, muss ich auch einmal sagen: so nicht mehr, schon gar nicht mehr mit mir.

Und wenn ich Lust auf neue und andere Erfahrungen habe, dann muss ich mich auf den Weg machen…

Alles Grund genug, zumindest für eine bestimmte Zeit in meinem Leben und in meinem Alltag etwas anders und etwas anderes zu machen.

Warum also nicht in der Fastenzeit eine Auszeit nehmen?

Es gibt mittlerweile viele sehr unterschiedliche Angebote und Formen der Auszeit. Klettern im Himalaja, Mönch auf Zeit, Thai-Massagen und indianische Schwitzhütten, Wellness-Hotels und Schlafen im Heu (*). Die Angebote einer regelrechten Frei- und Auszeit-Branche sind groß…

Bei näherem Hinschauen und tieferem Überlegen weiß ich: das sind für mich keine Gestaltungsmöglichkeiten einer Auszeit, mögen sie noch so populär und "in" sein.

Warum nicht einfach wieder einmal eine bestimmte Zeit am Tag reservieren und die Bibel zur Hand nehmen? Warum nicht wieder einmal einem Propheten über die Schulter schauen, mit ihm den Anspruch Gottes aushalten, mit ihm Protest  wagen, warum nicht seine Zweifel teilen, warum nicht wie er, sich unter einem Ginsterbusch verstecken, warum nicht wie er, allen Anfeindungen standhalten, warum nicht wie er, nach dem Namen Gottes und seiner Bedeutung fragen?

Warum nicht eine Auszeit nehmen, die Fastenzeit nutzen, wieder zu sich und vor allem zu Gott und mit Gott klar zu kommen?

Ich hoffe und bitte, dass es dem/der Einen oder Anderen und mir gelingen möge.

Kurt Esser, Diakon

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(*) In Anlehnung an "Mehr leben! Eine Auszeit mit dem Propheten Elija",

Andrea Schwarz, Herder

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