28. Februar 2018:

Grußwort

Liebe Schwestern und Brüder,

am Beginn der Fastenzeit kommen mir immer zwei Fragen in den Sinn. Die erste Frage ist, was mir die Fastenzeit eigentlich sagen möchte und die zweite Frage ist die Frage danach, ob ich diese Zeit überhaupt noch brauche und wie ich sie gestalten sollte, damit sie nicht überflüssig wird oder ihren Sinn verliert.

Um eine Antwort auf die erste Frage geben zu können, möchte ich einen kleinen historischen Exkurs einlegen und die Anfänge der Fastenzeit beleuchten. Eine Fastenzeit kommt erstmals im zweiten Jahrhundert auf. Sie diente als Trauerfasten zwischen dem Karfreitag und der Osternacht. Ab dem dritten Jahrhundert dehnte sich die Fastenzeit aus. Sie war als Bußzeit für die öffentlichen Sünder, die Ostern wieder in die Kirche aufgenommen wurden, und als Vorbereitungszeit für die Taufbewerber, die damals nur in der Osternacht getauft wurden, gedacht. In dieser Zeit entstand auch der Brauch der 40-tägigen Fastenzeit, wobei der Zeitraum von 40 Tagen auf verschiedene biblische Erzählungen zurückgeführt wurde. Ab dem Ende des ersten Jahrtausends entfiel der Brauch der öffentlichen Kirchenbuße und das Bestreuen mit Asche als Zeichen der inneren Umkehr und privaten Buße hielt Einzug in die Liturgie, besonders am Aschermittwoch. Im Mittelalter nahm sowohl die öffentliche als auch die private Bußpraxis deutlich zu und es war für alle Gläubigen verpflichtend während der Fastenzeit als Zeichen der Buße auf Fleisch, Alkohol, Milchprodukte und Eier zu verzichten. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) wurde die Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf das österliche Geheimnis definiert und der vorbereitende Charakter wurde betont. Das Fasten wird auch heute allen Gläubigen empfohlen.

Damit bin ich schon mitten in meiner Antwort auf die erste Frage. Die Fastenzeit ist eine Zeit, die uns auf das österliche Geheimnis vorbereiten soll. Es ist eine Zeit, in der wir als Christen angehalten sind, mehr Werke der Nächstenliebe zu tun und uns durch die Liturgie dieser Zeit auf Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu, und dem damit verbundenen Beginn des Heilswerkes Gottes mit uns Menschen, vorbereiten zu lassen. An Ostern feiern wir Christen den Sieg Jesu über den Tod und die damit verbundene Erlösung aller Menschen vom Tod. Durch seine Auferstehung hat Jesus uns die Möglichkeit gegeben, dass wir eines Tages auch auferstehen werden und dass wir nicht mehr in der Hoffnungslosigkeit unseres Lebens gefangen bleiben müssen. Die Auferstehung gibt unserem Leben die Hoffnung auf ein Mehr bei Gott und auf ein Weiterleben bei ihm. Unser Glauben begründet sich auf die Auferstehung Jesu und auf die damit verbundene Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Beides wird uns an Ostern wieder bewusst gemacht. Deswegen sollen wir uns in der Fastenzeit darauf vorbereiten und unser Leben wieder mehr in die Perspektive dieser Hoffnung stellen. Das Fasten soll uns dabei in Erinnerung rufen, dass wir durch viel Ballast in unserem Alltag die Hoffnungsperspektive und Gott aus dem Blick verlieren. Die Dinge, die uns den Blick verstellen, müssen aber nicht unbedingt nur materielle Dinge sein, sondern es können auch immaterielle Dinge wie zum Beispiel das Fehlen von Zeit oder der Stress in unserem Alltag sein. In der Fastenzeit soll uns auch wieder bewusst gemacht werden, dass in unserem Leben nicht alles perfekt ist und dass wir deswegen immer wieder Zeiten der Buße und der Umkehr sowie der Besinnung brauchen.

So glaube ich, und damit bin ich bei der zweiten Frage angelangt, dass wir die Fastenzeit nutzen sollten um uns zu überlegen, was uns von Gott und von seiner Hoffnungsperspektive abhält. Wir sollten uns in dieser Zeit besonders fragen, welche Dinge in unserem Leben Ballast sind, weil sie uns von dem abhalten, was wirklich wichtig ist, nämlich von Gott und vom Nächsten, von dem Jesus uns gesagt hat, dass wir ihn genauso lieben sollen wie uns selbst.

Nutzen wir also die Fastenzeit und überlegen uns, was wir wirklich brauchen und was nicht, damit wir uns von allem Ballast befreien können und damit wir uns auf Ostern vorbereiten können.

Ich werde es auf jeden Fall probieren, um auf das Leiden und Sterben Christi vorbereitet zu sein und um das Wesentliche, nämlich Gott und meinen Nächsten, wieder mehr in den Blick nehmen zu können.

Ihr

Diakon Michael Druyen

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