01. November 2016:

Grundsteinlegung Terheeg

Vor 60  Jahren Grundsteinlegung Kapelle Terheeg

Die erste Kapelle in Terheeg aus dem Jahr 1676 wurde am Aschermittwoch des Jahres 1945 durch feindliche Fliegerbomben mit allen Kunstwerken und Kunstwerten völlig zerstört. Nach Kriegsende wollten die Bewohner der Kapellengemeinde aber nicht ohne ihren Gottesdienst sein. So wurde zunächst 1946 eine Holzbaracke gekauft, die in Elmpt als Wehrmachtsunterkunft gedient hatte. Diese Notkapelle konnte auch nur eine Notlösung sein.

In der Generalversammlung der Kapellengemeinde Terheeg am Luciatag des Jahres 1954 beschlossen die Bewohner der Kapellengemeinde einen Kapellenneubau aus eigener Kraft zu errichten.

 Es war ein Gelöbnis. Während die Vorgängerkapelle als Wallfahrtskapelle für die Pilgerer aus dem Jülicher Land zur Gnadenkapelle in Holtum diente, sollte die neue Kapelle als Friedenskapelle ein Zeichen des Friedens sein. In der Originalurkunde heißt es u.a.: "Heute wird die Kapelle neu errichtet, wieder zu Ehren der Hl. Lucia, damit wir durch ihre Fürbitte vor einem dritten Weltkrieg bewahrt bleiben mögen."

Es war ein langer, schwieriger, mit vielen Stolpersteinen gepflasterter Weg, den die Verantwortlichen der damaligen Zeit zu gehen bereit waren. Deshalb so schwierig, weil das Bistum Aachen zunächst einen Neubau wegen fehlender finanzieller Mittel ablehnte. Schließlich waren durch Kriegseinwirkung insgesamt 61 Kirchen und Kapellen im Bistum zerstört oder beschädigt worden, die auf finanzielle Unterstützung durch das Bistum warteten. Nach zähen Verhandlungen in Aachen, die zeitweise im Beisein des damaligen Bischofs Pohlschneider persönlich geführt wurden, konnte schließlich ein Kompromiss gefunden werden. Die Kapelle durfte gebaut werde, allerdings letzten Endes in Eigenleistung. Die Kosten für den Rohbau waren mit 80.000 DM veranschlagt und für die Inneneinrichtung, dazu zählten Fußboden Decke, Heizung, Bänke, Anstrich, Altar und Chorraum und Sakristeieinrichtung kamen noch einmal 37.500 DM hinzu. Knapp 120.000 DM, das konnte die Kapellengemeinde nicht schultern. Das sah auch das Bistum ein und gewährte der Kapellengemeinde ein Darlehen von 45.000 DM. Dieses Darlehen musste in den ersten sechs Jahren mit jährlich 2.500 DM und in den folgenden vier Jahren mit 7.500 DM jährlich zurückgezahlt werden. Das war viel Geld, sehr viel Geld, denn Eigenmittel für den Ausbau mussten ja auch noch zusätzlich aufgebracht werden.

Eine solche mutige Entscheidung der Verantwortlichen konnte auch nur getroffen werden, weil sich die Bevölkerung der drei Ortschaften  Mennekrath, Terheeg und Wockerath verpflichtet hatte, über Jahre einen monatlichen Betrag für die Kapelle zu spenden. Diese Sammelaktion lief in der Zeit von Januar 1955 bis Dezember 1964. Um die erforderlichen finanziellen Mittel aufzubringen, hatten sich die Landwirte in den drei Orten – und damals gab es wesentlich mehr als heute – zusätzlich verpflichtet, drei Prozent vom Einheitswert des eigenen Landes zu spenden.

 

Am 13. Dezember 1956 wurde der Grundstein zum Bau der Lucia-Kapelle in Terheeg gelegt. Die Planungsphase vom Grundsatzbeschluss über den Neubau bis zur Grundsteinlegung dauerte also exakt zwei Jahre.

Die Presse berichtete ausführlich über die Grundsteinlegung:

 

"Es war, als ob die Hl. Lucia davon Notiz genommen hätte, dass am Donnerstagnachmittag der Grundstein zu einer Kapelle ihres Namens gelegt wurde. Denn während an den Tagen zuvor graue Wolken den Himmel bedeckten, herrschte am Donnerstag kaltes, aber klares und sonniges Wetter. St. Lucia brachte das Licht. Morgens fand in der Notkirche ein feierliches Hochamt statt, während am Nachmittag die eigentliche Grundsteinlegung erfolgte. Bevor die feierliche Zeremonie begann, bewegte sich eine Prozession durch das Dorf, die den schweren Grundstein mit sich trug. Die Geistlichkeit war durch die Dechanten Frings, Schlitter und Emonds sowie durch Oberpfarrer Wiggers und Kaplan Kaiser und durch Rektor Lautenschläger vertreten. Von der Weltlichkeit beteiligten sich Bürgermeister Jansen, Stadtdirektor Jost, Kreisehrenhandwerksmeister Dohmen und Schulrat Amfaldern. Die Festansprache hielt Dechant Emonds, ein gebürtiger Terheeger. Er stellte seine Ansprache unter die Worte, die der Priester bei einer Grundsteinlegung betete: "Ein Zeichen des Heils richte auf an dieser Stelle, Herr Jesus Christus, und lasse nicht zu, dass der Engel der Zerstörung Zutritt erhalte."

Mit der Grundsteinlegung war ein erstes Ziel erreicht. Der Bevölkerung konnte etwas gezeigt werden. In den folgenden Monaten wuchs und wuchs das Gebäude. Und schon bald war der Tag gekommen, an dem das erste Hl. Messopfer gefeiert werden konnte, es war der 23. Juni 1957, also ca. 6 Monate nach der Grundsteinlegung.

Trotz dieses zweiten großen Ereignisses blieb die Kapelle noch Jahre unvollendet. Im Inneren fehlte es an Vielem. Die Bänke fehlten, es gab nur eine provisorische Kommunionbank und Behelfsstufen, als Altar diente der Holzaltar aus der Notkirche, die Wände waren noch nicht verputzt und die Decke noch nicht fertig, eine Heizung fehlte natürlich auch noch. Die Opferbereitschaft der Bevölkerung war ungebrochen. Schritt für Schritt ging das Gebäude seiner Fertigstellung entgegen. Das Werden und Wachsen war zwar interessant, aber nicht so spannend wie die Phase davor.

Es würde zu weit führen, wenn jetzt einzelne Schritte der Fertigstellung beschrieben würden. Es ist noch viel geschehen. Die Kapellengemeinde ist stolz auf ihr Werk, und sie hat Grund genug, die 60. Wiederkehr der Grundsteinlegung zu feiern. Das tut sie am

 

Samstag, 10. Dezember 2016, in einer Festmesse um 18.30 Uhr in der Kapelle.

 

Die Festmesse wird musikalisch begleitet von der Chorgemeinschaft Tenholt, Granterath und Hetzerath unter der Leitung von Herrn Pelz.

Anschließend wird in der ehemaligen Schule ein wenig gefeiert mit ausgesuchten Getränken und Snacks.

Nicht nur die Bewohner der Kapellengemeinde Terheeg sind zu dem Jubiläum eingeladen, auch alle Leser dieses Artikels. Ich hoffe, Sie sind ein wenig neugierig geworden. Es lohnt sich, das schmucke Gotteshaus einmal näher zu betrachten und mit uns Eucharistie und das Jubiläum zu feiern.

 

Herbert Günter

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