18. Januar 2015:

Ansprache Fusionsgottesdienst

Auszug aus der Ansprache
Fusionsgottesdienst Christkönig Erkelenz 18.Januar 2015
 "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne"
heißt es in einem Gedicht von Hermann Hesse


Ich denke, jeder von Ihnen hat das in unterschiedlichen Situationen schon einmal erlebt: Neuanfang in der Beziehung, im Beruf, in neuen Lebensabschnitten und nun in einer neuen Pfarrei.
Die Zukunft liegt noch unberührt, unbenutzt vor uns, wie ein weißes Blatt Papier, das darauf wartet, von uns beschrieben zu werden. Der Zauber des Neuanfangs besteht aus der Spannung  des Ungewissen, der Neugier nach neuen Erfahrungen mit neuen Menschen in neuen Situationen.
Dass wir uns vom Zauber dieses Neuanfangs einfangen lassen können, und diesen Neuanfang miteinander feiern können, ist nicht selbstverständlich.Bedurfte es wohl eines langen und schwierigen Weges bis hierhin, bis zum heutigen Tag.


Erstes Großtreffen
Im Juli 2013 gab es das erste, große, offizielle Treffen zur Fusion.Aus unseren damaligen beiden Pfarreien Sankt Lambertus und Sankt Maria und Elisabeth waren alle Mitglieder aus Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Pastoralteam eingeladen. Es sollte um die verschiedenen Möglichkeiten gehen, wie man fusionieren könnte.
Insgesamt saßen wir mit rund 60 bis 80 Personen in einem großen Raum.
Bernd Wolters vom Generalvikariat des Bistums war eigens aus Aachen angereist, um uns in die drei wichtigen Kernfragen einzuführen:die Frage nach der Art der Fusion, die Frage nach der Festlegung einer Pfarrkirche und die Frage nach dem Namen für die neue Pfarrei.Gleich bei der ersten Frage schieden sich die Geister:Entweder verliert eine Pfarreiihre bisherige Identität und schließt sich der anderen an, oder beide Pfarreien geben ihre bisherige Identität auf und beginnen gemeinsam neu.Es war ein eigenartiges Gefühl.
Jahrelang hatten sich alle für etwas Großartiges engagiert.… Es lief doch alles…!
Sollte das nun zerfallen?Können wir nicht einfach weitermachen wie bisher?Warum sollen wir aufgeben, warum nicht die anderen?
Schnell entfachte eine kontroverse Diskussion…Es gab eine Reihe von Argumenten: Sachliche und emotionale Argumente, Argumente, die von Herzen kamen, und Argumente, die ins Herz stachen.Es zeichnete sich keine Lösung ab, nicht an diesem Abend.Eine gewaltige Aufgabe lag vor uns!

Zusammenführung der Arbeitsgruppen
Wir teilten das Problem auf und bildeten zwei Arbeitsgruppen:
Die eine, um den Fall zu besprechen, dass sich eine Pfarrei auflöst und von der anderen Pfarrei aufgenommen wird,
und die andere, um den Fall zu besprechen, dass beide Pfarreien ihre Identität aufgeben und gemeinsam neu beginnen.
In den beiden Gruppen waren jeweils Menschen aus beiden Pfarreien vertreten.
Man war sich noch nicht vertraut - aber man saß in einem Boot.Wie würde es wohl sein, wenn die beiden Gruppen zusammen kommen? Würde man zu einer Lösung kommen?
Es war ein Abend geplant, an dem die beiden Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse gemeinsam mit Pastor Werner Rombach, Ursula Rothkranz und Michael Kock besprechen sollten. Sie kannten den Stand der Arbeitsgruppen noch nicht.
Eine der beiden Gruppen hatte schon ganz gut zusammengefunden, in der anderen bestand noch keine Einigkeit.
So diskutierte man wieder …Emotionen wurden wieder deutlich, … noch deutlicher! …
Streit kam auf. … Nerven lagen blank. … Es war schwer auszuhalten.Der Abend endete aufgewühlt:Man kam zu keinem Ergebnis.Ein erster kleiner Lichtblick:Am Ende des Treffens schaute man sich in die Augen, stellte sich unter das Zeichen des Kreuzes, gab sich die Hand und verabredete sich zu einem neuen Treffen.


Der Konsens
Nach ein paar Wochen trafen sich die Arbeitsgruppen ein zweites Mal.Wir spürten sofort, dass uns die Pause gut getan hatte.
Wir hatten in der Zeit viel nachgedacht: Der Wille zur Einigung war deutlich spürbar!
Die Diskussion gestaltete sich jetzt harmonisch … rücksichtsvoll.
Wir diskutierten nicht gegeneinander, sondern miteinander …gemeinsam.
Wir suchten gemeinsam nach einer Lösung …konstruktiv.
Wir zeichneten uns ein Bild.Wir zeichneten einen großen Kreis in die Mitte.Und rings um diesen Kreis herum zeichneten wir alle Orte, die einbezogen sind: von der kleinen Kapellengemeinde, über die dörflichen Ortsgemeinden bis zur großen Stadtgemeinde.Wir zeichneten es so, als säßen alle Orte um einen gemeinsamen Tisch. Wie, als wäre es ein gemeinsames Mahl an dem alle teilhaben.Und dann wurde es uns klar.
Es ist die Gemeinschaft…
Die Gemeinschaft verbindet uns. Die Gemeinschaft steht in der Mitte. Die Gemeinschaft, wie wir sie beim Mahl erfahren.
Die Gemeinschaft um Brot und Wein, wie bei Jesus, wie beim Abendmahl. Es ist die Gemeinschaft im Glauben. Die Gemeinschaft in Christus.
Das war die Lösung!!!!
Das Gemeinsame führte uns zum Ziel, nicht das Eigene. Nicht das Gegeneinander, sondern das Miteinander.
Das FÜREINANDER.Das war die Geburt unserer Neuen Pfarrei.

Name, Pfarrkirche, Siegel
Der Glaube an Christus hatte uns zusammengeführt! Christus hat uns neu verbunden.
So lag es nicht fern, dass wir schnell der Meinung waren, auch den Bezug zu Christus mit in den Namen für unsere neue Pfarrei aufnehmen zu wollen. Pastor Rombach erklärte uns hierzu verschiedene Varianten, von denen wir uns schnell auf Christkönig einigten.
Auf die Frage nach der Pfarrkirche konnte es, aufgrund der zentralen Lage und natürlich der Größe konnte es nur diese Kirche hier St. Lambertus, Erkelenz sein.
Jetzt musste dieser Vorschlag noch den jeweiligen Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten vorgelegt werden, denn nur diese Gremien konnten entscheiden, die Empfehlung an den Bischof letztlich weiterzuleiten. Selbstverständlich wurde dabei auch noch einmal kontrovers diskutiert und argumentiert. Zwar nicht einstimmig, aber immerhin mit einem klaren, mehrheitlichen Votum, schlossen sich die Gremien dem Ergebnis der Arbeitsgruppe an und schlugen dem Bischof vor:  die beiden Pfarreien " St. Lambertus" und "St. Maria und Elisabeth" aufzuheben, und eine neue Pfarrei mit Namen "Christkönig Erkelenz" und der Pfarrkirche "St. Lambertus, Erkelenz" zu gründen.
Dieser Empfehlung folgte der Bischof.
Wichtig war uns, für das Pfarrsiegel die Symbolik der Gemeinschaft um Christus.
In der Mitte stehen die Symbole für Christus: Das Kreuz, die Königskrone und die Dornenkrone.
Wir als Gemeinde, wir als einzelne Ortschaften, wir als einzelne, individuelle Personen, wir alle stehen als Gleiche unter Gleichen um Christus. Dafür stehen der Kreis im Pfarrsiegel, der sich um die Symbole des Christ Königs herum schließt und der Schriftzug "Geeint in Christus".                        

Schluss, Ausblick und Wünsche
Liebe Gemeinde, jetzt ist es an uns, diese neue große Pfarrei mit Leben zu füllen.
Das Leitwort, die Überschrift sozusagen, der diesjährigen Wallfahrten nach
St. Matthias in Trier lautet: "Zur Freiheit berufen", und stammt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater.
Wir sind zu dieser Freiheit berufen, der Freiheit "Ja" zu sagen zu Jesus Christus unserem König und Bruder und zu seiner Kirche.
Liebe Schwestern und Brüder: Wir sind diese Kirche!
Und die Eine achte auf den Anderen und Jede und Jeder lasse auch auf sich Acht geben.
Das wünsche ich mir, das wünschen wir uns, das wünschen wir Ihnen.
Dann wird aus dem Zauber des Neuanfangs ein mutiger Schritt in die Zukunft … und ein gemeinsamer Weg durch die Zeit.
Mitglieder des Fusions-Ausschusses

zurück